Handwerkermuseum im Zeiselmairhaus

Nur wenige Gehminuten vom Museumsviertel entfernt befindet sich das Zeiselmairhaus (In der Lachen 1), eines der wenigen erhaltenen spätmittelalterlichen Handwerkerhäuser im nördlichen Oberbayern.

Das Gebäude, 1478 in Ständerbauweise errichtet, war bis 1975 bewohnt und ist seit 1990 als Museum der Öffentlichkeit zugänglich. Das Zeiselmairhaus zeigt die Haus-, Handwerks- und Alltagsgeschichte an dem Ort, an dem sie stattgefunden hat.

Im Erdgeschoss ist eine Wohnstube eingerichtet, wie sie in der Schrobenhausener Gegend um 1900 bei Kleinhandwerkern üblich war.

An Hand von Grabungsfunden und Archivmaterial wird die Hausgeschichte dokumentiert. Im Obergeschoss gibt eine Schlafkammer mit gestampftem Lehmfußboden, Holzbohlenwänden und Butzenscheibenfenster einen lebendigen Eindruck von den Wohnverhältnissen zur Erbauungszeit.
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Archäologische Funde

Keramikfunde
Fundstücke, Keramik
Als die Stadt 1981 das Haus kaufte und das Landesamt für Denkmalpflege Zuschüsse in Aussicht stellte, begannen die Renovierungsarbeiten. Gleichzeitig nutzte man die Gelegenheit, archäologische Grabungen durchzuführen, um mehr über die Bauweise und frühere Bewohner zu erfahren. 

Es kamen interessante und aufschlussreiche Funde zu Tage, die in Vitrinen ausgestellt sind. So sind zum Beispiel Kachelfunde aus jeder Zeitepoche von der Gotik  bis zum Klassizismus gefunden worden. Fragmente von Küchengeschirren aus fünf Jahrhunderten geben Aufschluss über die Vielfalt der in der Küche verwendete Gefäße und über die Essgewohnheiten in frühen Zeiten. 

Kleine gotische Spielzeugfigürchen aus Ton zeugen davon, dass die Kinder im Haus auch gerne mit Puppen gespielt haben.

Blick in den Flur der Dachgeschosses

Flur Dachgeschoss
Obergeschoss
Blick vom Webstuhl aus ins Dachgeschoss - mit Flur und Schlafkammer mit Bett.

Blick in den Garten

Kräuter und Gemüsegarten
Garten
Grundlegende Bestandteile der Ernährung der Stadtbewohner waren Gemüse und Kräuter, die von den einzelnen Familien meist auf kleinen Grundstücken außerhalb der Stadtmauern angebaut wurden. Manche Bürger hatten einen kleinen Wurz- und Kräutergarten direkt am Haus. So ein Stadtgarten ist auch am Zeiselmairhaus nachweisbar.

Mit der Entscheidung, das Haus nach der Renovierung als Museum zu nutzen, erklärten sich Barbara und Bernhard Rödig bereit, auf der nebenliegenden Freifäche einen kleinen Hausgarten anzulegen.

Der damals wunderschön gestaltete Garten ist im Zuge von Bauarbeiten auf den umliegenden Grundstücken sehr in Mitleidenschaft gezogen worden und wird demnächst neu angelegt.

Gärten dieser Art zeichnen sich dadurch aus, dass entsprechend den Jahreszeiten unterschiedliches Gemüse und Obst reift, sowie ganzjährig Kräuter zur Verfügung stehen. 

Blick in die Schlafstube

Bett mit Kommode und Kienspanhalter
Schlafstube
Bei der Dachkammer über der Stube war es möglich, auf Grund ihres mittelalterlichen Restbestandes, den Ursprungszustand wieder herzustellen. Die Flurwand der Schlafkammer besaß mit dem Türgerüst, oberstem Wandbrett und gemauertem Sockel noch Originalteile, die restlichen Wände wurden in Holz ergänzt.

Das Fenster aus Butzenscheiben, in Blei gefasste kleinere Glasscheiben, lässt nur am Vormittag Licht durch, ansonsten ist der Raum sehr dunkel. Eine gehobelte Bretterdecke und ein Estrich aus gestampftem Lehm  unterscheidet den Raum von den anderen Zimmern im Haus. Eingerichtet ist die Kammer mit einem Bett, Strohsack, einer Truhe zum Verwahren von Wäsche. Der Kienspanhalter mit seinem eisernen Schnabel, in dem ein harzreicher Holzspan zum Abbrennen bei Dunkelheit befestigt ist, diente als Lichtquelle.

Die Kammer, etwas größer als die anderen, hatte nachweislich einen Kachelofen und könnte daher eine frühe Austragsstube (für alte Familienangehörige) oder elterliche Schlafkammer gewesen sein. 


Blick in die Schuhmacher-Werkstatt

Leisten und Werkzeuge der Schuhmacher
Werkstatt Schuhmacher
Die Werkstatt im Dachgeschoss des Hauses erinnert an das mittlerweile fast nicht mehr ausgeübte Handwerk. 1860 kaufte der Schumacher Karl Zeiselmair das Haus für 950 Gulden, zwei nachfolgende Generationen führten das Handwerk in diesem Haus fort, bis 1975 der letzte Handwerker, Wolfgang Zeiselmair, verstarb. 

Die Einrichtung der Werkstatt ist so, wie sie um 1900 eingerichtet war und eigentlich noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg bestand. Den zentralen Platz im Raum bildet das typische niedrige hölzerne Podest, die "Bruck", es schützte im Winter vor Kälte von unten und brachte den Schuhmacher näher ans Fenster und somit zum Licht. Ein dreibeiniger Schemel, die sogenannte Schustergoaß, war zum Sitzen bei der Arbeit, meist mit einem längern Bein, um am Rand sitzen zu können und so mehr Raum für weitere Arbeitsplätze zu haben. 






Blick in die Wohnstube mit Kachelofen

Rekonstruktion der Wohnsituation im 1900
Stube
Die Wohnstube wurde an Hand verschiedener Funde so eingerichtet, wie es im 19. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Der Ofen wurde rekonstruiert an Hand von Keramikfragmenten, die Eisenplatten sind in Teilen Originale.

Hauseingang Gartenseite

Hof mit Kräuter und Gemüsebeeten
Garten
Der Gartens ist im vorderen Bereich mit Kalksteinpflaster belegt, in der Ecke rechts vorne ist ein Apfelbaum, Buchsbaumeinfassungen grenzen den eigentlichen Nutzgarten optisch ab und schützen vor Wind und Austrocknen. 

Als Einfassung der Beete dienen alte Weinflaschen mit dem Hals voraus in die Erde versenkt, so ist das Beet selbst etwas erhöhen und die Bearbeitung damit leichter; im Flaschenboden sammelt sich Regen- und Tauwasser, für  Vögeln als Tränke. In der Flasche selber sammelt sich über den Tag Kondenswasser, das nachts langsam abgeben wird und so für eine Grundfeuchtigkeit im Boden sorgt. Mitten im Garten ein Brunnen, im hinteren Bereich ein Steintrog für Regenwasser. 

Angebaut wurden: Kraut und Rüben, Salat, Radieschen, Lauch, Zwiebel, Tomaten und viele andere Gemüsearten. Heimische Blumen, Pfingstrosen oder Rosen säumen die Beete, in denen vor allem Küchenkräuter wachsen: Rosmarin, Salbei, Thymian, Liebstöckl, Lavendel, Baldrian und Heilplanzen wie Hauswurz, Holunder, Ringelblumen.

Hölzerne Leisten

Unterscheidliche Formen und Größen
Leisten
Für das Schuhmacherhandwerk typische Holzleisten. Sie hängen großer Zahl paarweise über einer Stange. Spezielle Stiefelhölzer zeigen, dass früher auch hochwertige Faltenstiefel hergestellt wurden. 


Küchenbord mit Geschirr

Keramik
Küche
Blick auf ein Wandregal mit üblicher sogenannter Hafnerware. Teller und Schüsseln für den täglichen Gebrauch.

Die Küche im Zeiselmairhaus ist alten Küchen nachgebildet, in denen meist zwei Kochstellen üblich waren. Im Winter wurde der Feuerungsraum des Kachelofens zum Kochen benutzt, der Ofen selber befand sich in der angrenzenden Stube und wurde von der Küche aus beheizt. Im Sommer diente ein aus Ziegeln aufgemauerter Holzblock als Kochstelle, wobei am offenen Feuer auf einem Dreifuß gekocht wurde. 

Küchenbord mit Geschirr von vorne

Keramik
Küchenregal
Geschirre bewahrte man in solchen Stellagen an der Wand auf, das klassische Küchenbuffet gab es in einfachen Haushalten erst viel später im 19 Jahrhundert. 

Die Feuerstelle in Häusern wie dem Zeiselmairhaus war lange offen. Der Rauch zog durch eine an der Decke befestigten Rauchkutte über einen kurzen Schacht in den Flur des Dachgeschosses. Dort verteilte er sich, um dann durch die Ritzen und Spalten in der Dachdeckung ins Freie zu entweichen. Der Feuerungsprozess diente nicht nur zum Kochen und Erwärmen der Zimmer, sondern räucherte und konservierte auch Fleisch- und Wurstwaren im Rauchfang und bewahrte den Original-Dachstuhl bis heute weitgehend von Schädlingsbefall. 

Leinenproduktion

Geräte zum Herstellen von Leinen
Spinnrad
Ein Raum im Dachgeschoss ist dem zweiten und älteren Handwerk gewidmet, das in diesem Haus viele Generationen hinweg ausgeübt wurde: dem Handwerk der Leinweber. Der erste, urkundlich nachweisbare Bewohner des Hauses war der Weber Melchior Burger, 1694. 
Im Dachgeschoss steht auch ein alter Webstuhl, der zur Eröffnung als Museum ins Haus kam und auf dem der letzte Schrobenhausener Weber, Rupert Lebmeier, noch bis in die 1970er Jahre gearbeitet hat.  

Vom Flachs bis zum fertigen Garn, dem Grundmaterial des Webers, waren einige Verarbeitungsschritte nötig:
Riffel - mit ihm streifte man die Samenkapseln des geernteten Flachses ab
Flachsbreche - zum Zerbrechen und Absplittern der hölzernen Stengelhülle
Flachsschwinge - zum Wegstreifen der störende Reste
Hechel - zum Auskämmen der Fasern 
Spinnrocken - auf ihm wurde das spinnfertige Material befestigt 
Spinnrad - Rohmaterial zum Faden gesponnen 
Haspel mit Zählwerk 







Webstuhl

Webstuhl
Der alte Webstuhl stammt aus dem 20. Jahrhundert. Auf ihm hat der letzte Webermeister der Stadt, Rupert Lebmeier, gearbeitet, bis er 1979 verstarb, 
Der Webstuhl kam zur Einrichtung als Museum vor 1990 ins Haus.

Öffnungszeiten

  • Mai und Juni
    Samstag und Sonntag von 14.00 Uhr bis 17.00 Uhr
  • Juli bis September
    Samstag und Sonntag von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
  • Oktober bis April
    geschlossen - Öffnung auf Anfrage

Eintrittspreise

  • Erwachsene
    1,50 Euro
  • Schüler, Stundenten, Schwerbehinderte, Arbeitssuchende *
    1,00 Euro
  • Gruppen (ab 10 Personen) inkl. Führung
    1,00 Euro

    * Ermäßigungen gelten nur gegen Vorlage eines entsprechenden Dokumentes