Europäisches Spargelmuseum

In einem Turm der Stadtmauer, dem früheren Gefängnis- und Amtsturm, befindet sich seit 1991 das Europäische Spargelmuseum, in seiner Art immer noch einmalig in Europa. Bereits einige Jahre vorher war hier in Schrobenhausen, im Zentrum des bekanntesten bayerischen Spargelanbaugebiets, die erste deutsche Spezialsammlung zum Thema Spargel eingerichtet worden. Das Europäische Spargelmuseum zeigt alles rund um das Thema Spargel: Geschichte, Botanik, Anbau, Kunst und Kuriositäten.

Im Erdgeschoss finden sich ausgewählte Exponate über Geschichte, Botanik und Anbau des Spargels. Alte Kräuterbücher und Kupferstiche zeigen die Pflanze und deren Bedeutung für die Wissenschaft und für die Medizin. Eines der wohl schönsten Bücher hier ist das außergewöhnlich umfangreiche Werk von Jakob Theodor Tabernaemontanus aus dem Jahr 1664. Spezielle Arbeitsgeräte und Werkzeuge zeigen die mühevolle Kultivierung des Spargels, ein interessanter Kurzfilm informiert über die Herkunft und Bedeutung des edlen Gemüses.

Das erste Obergeschoss steht unter dem Motto „Spargelessen". Neben Rezepten und Kochbüchern ist hier eine einzigartige Sammlung von Spargelgeschirren zu sehen: so zum Beispiel eine wertvolle Spargeldeckeldose aus Meißen aus dem Jahr 1780, von der es weltweit nur noch zwei Exemplare gibt, ferner ein Teller mit Spargelmotiven des bekannten Jugendstilkünstlers Emile Gallé oder die wunderschöne Spargelzange des russischen Hofjuweliers Carl Peter Fabergé von 1890.

Ausstellungsobjekte

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Ackerbau zu Beginn des 20. Jahrhunderts

Spargelfeld und Ernte, Szene im Museum
Inszenierung Anbau und Ernte zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Eine Abteilung im Museum widmet sich dem Anbau und der Ernte von Spargel. Diese Szene zeigt den Anbau, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch sehr aufwändig war. Mit speziellen Pflügen, denen drei Pferde vorgespannt waren, wurden die Erddämme angehäuft. Sie sorgen dafür, dass der Spargel weiß bleibt. Während bis zur 2. Hälfte des 19. Jahrhundert ausschließlich grüner Spargel üblich war, kam bald das Bedürfnis nach weißem Spargel, so wie wir ihn heute noch schätzen.

Die mühsame Arbeit der Ernte wird durch  die Erntehelferin im Vordergrund dargestellt. Sie nimmt die typische gebückte Haltung ein und hat die zur Ernte benutzten Geräte bei sich. 

Die Pferde vor dem Fenster stehen in einem Spargelfeld; die sogenannten Bifänge werden in der Saison von den Mitarbeitern des Museums zu Demonstrationszwecken bei Führungen genutzt.

Basilius Besler, Hortus Eystettensis

Kolorierter Kupferstich von 1613
Spargelpflanze, kolorierter Kupferstich von Basilius Besler aus dem Hortus Eystettensis, 1613
Der Eichstätter Fürstbischof Johann Konrad von Gemmingen beauftragte den Nürnberger Apotheker Basilius Besler mit der Betreuung eines der bis dahin umfangreichsten Pflanzenwerke. 
 
Der kunstsinnige Bischof sandte aus seinem Garten ständig neue Pflanzen und Blumen nach Nürnberg, um sie dort malen zu lassen. Die danach von verschiedenen Künstlern angefertigten Kupferstiche wurden in einem Prachtband, dem berühmten „Hortus Eystettensis“ im Jahr 1613 veröffentlicht. Das Blatt, das dem Spargel gewidmet ist, zeigt in ausgezeichneter Naturbeobachtung alle Entwicklungsstadien der Pflanze –Sprossen in verschiedenen Reifestadien und das Kraut mit Blüten und Früchten.

Christine Wilhem, Spargelfeld

Farbzeichnung, 1975
Christine Wilhelm, Spargelfeld, Farbzeichnung, 1975
Mit ihrem besonderen Spargelfeld nimmt Christine Wilhelm Bezug auf die dem Spargel nachgesagte Wirkung als Aphrodisiakum. Unverholen und frei von symbolischen Verdeckungen zeigt sie inmitten von Spargelspitzen auf dem Feld ein Phallus-Symbol.

Deckeldose, Manufaktur Ilmenau

Porzellan, um 1790
Deckeldose, Manufaktur Ilmenau,  Porzellan, um 1790
Im 18. Jahrhundert ist Spargel schon so weit verbreitet, dass Tafelgeschirre produziert werden, die neben anderen Gemüsesorten Spargel als Motiv aufgreifen und verarbeiten. Es scheint für die Fayence-Manufakturen ein lohnendes Geschäft gewesen zu sein, Butterdosen in Form von Gemüsen und Tieren herzustellen. Sie wurden wegen ihrer Naturnähe sehr bewundert. So wurden Melonen, Kohlköpfe, Äpfel, Spargelbündel, aber auch Enten und Hunde Vorbild für Deckeldosen, die mit Butter oder Soßen gefüllt bei Tischgesellschaften auf der Tafel standen. Oftmals versuchten die Künstler die Vorlagen täuschend echt nachzubilden, dass das Auge des Betrachters nicht mehr unterscheiden konnte, ob es sich um einen echten oder künstlichen Gegenstand handelt. 

Die Produktion von Deckeldosen war ein gutes Geschäft, wie die Warenlagerbestände der Manufaktur Braunschweig im 18. Jahrhundert zeigen: so waren im Jahr 1759 von einem Modell 47 Stück im Lager, 1768 gab es sechs unterschiedliche Modelle von Spargelbündeln.

Deckeldose, Manufaktur Meißen

Porzellan, um 1780/90
Deckeldose, Manufaktur Meißen, Porzellan, um 1780
Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts tritt eine Mode in Erscheinung, die zur Erfreuung der höfischen Gesellschaft vegetabile Motive verarbeitet. So hat auch Spargel den Weg in die Produktion von Geschirren gefunden. Tafelgeschirre in Form von Kohlköpfen, Melonen, Äpfel oder Spargel waren weit verbreitet, auch Enten und Hunde waren als Motive sehr beliebt. Dabei wurde das virtuose technische Können der Künstler unter Beweis gestellt. Sie versuchten das Auge des Betrachters zu täuschen, so dass er nicht mehr zwischen Wirklichkeit und Abbild unterscheiden konnte. 
Diese Deckeldose wurde in der Manufaktur in Meißen hergestellt, es existieren weltweit nur noch zwei Exemplare aus dieses Produktionsreihe.

Deckeldose, Manufaktur Sceaux

Fayence, um 1750
Deckeldose, Manufaktur Sceaux, Frankreich, um 1750
Spargel war bereits im 18. Jahrhundert so bekannt, dass es als Motiv bei der Produktion von Tafelgeschirren Aufnahme fand. In solchen Deckeldosen kamen Butter oder andere Soßen auf den Tisch. Die Künstler waren damals immer bemüht, die Gegenstände möglichst realistische darzustellen, dass das Auge nicht erkennen konnte, ob es sich um einen echten oder realistischen Gegenstand handelt. 
Gerade die Manufaktur in Sceaux  in Frankreich war auf solche Augentäuschungen besonders spezialisiert. Sie stellte nicht nur Deckeldosen in Form von Spargelbündeln her, sondern auch Teller und Schalen auf denen zum Beispiel Nüsse, Pasteten oder Spargel so realistisch angeordnet sind, dass der Gast versucht war, diese als Speisen zu essen. 


Hieronymus Bock, Kreüter Buch

Kolorierter Holzschnitt, Straßburg 1560
Hieronymus Bock, kolorierter Holzschnitt aus einem Kräuterbuch, Straßburg 1560
Mit der Möglichkeit, in einem Druckverfahren Bücher schneller und in höheren Auflagen herzustellen, begann eine neue Ära. Die bisher manuell hergestellten Schriften waren nur einem kleine privilegierten Kreis zugänglich, in gedruckter Form fanden Bücher aber rasche und weite Verbreitung. Als erstes gedrucktes Werk kam die Bibel auf den Markt, ihr folgte 1484 in Mainz der Druck von einem ersten Pflanzenbuch durch Peter Schöffer, illustriert mit Holzschnitten. 

Die Autoren der Kräuterbücher beschäftigten sich zwar hauptsächlich mit der medizinischen Heilwirkung der Pflanzen, vergaßen aber auch nicht zu erwähnen, dass Spargel ein Gemüse ist, das sehr wohl auch wegen des reinen Genusses gegessen wird. Schon Hieronymus Bock bezeichnet Spargel als "ein lieblich speiß für die leckmeüler".  Im Text geht Bock auch auf die Herkunft des Namens ein und auf die medizinische Wirkung.

Jakob Theodor Tabernaemontanus

New vollkommenlich Kräuter-Buch, Basel 1664
Jakob Tabernaemontanus, New vollkommenlich Kraeuter-Buch, Basel 1664
Das Interesse an Pflanzenbüchern nahm im 16. Jahrhundert noch zu. Immer umfangreichere Werke erschienen auf dem Markt. Wie umfangreich die Bücher im 16. Jahrhundert waren zeigt das "New vollkommen Kräuter-Buch" von Jacob Tabernaemontanus von 1588. Mit der Beschreibung von über 3000 Kräutern war es das umfangreichste Werk seiner Zeit. Die Ausgabe im Museum stammt von 1664 - aufgeschlagen ist die Seite mit dem Bild und der Beschreibung der Spargelpflanze. Der Autor verzeichnet zwei Arten Küchen- und drei Arten Wildspargel. Dem Wildspargel schreibt er größere Heilkraft zu. Zu seinen Arzneirezepturen  gehören auch destilliertes Spargelwasser und Spargelwein. 


Tabernaemontanus (1522 -1590) war ein Botaniker, Mediziner und Professor für Medizin und Botanik. Der Name Tabernaemontanus ist eine latinisierte Form des Ortsnamens Bergzabern, seinem Geburtsort.

Karin Welponer, Spargelteller

Mischtechnik / Papier, 1975
Karin Welponer, Spargelteller, 1975
Die in Bozen 1941 geborene Künstlerin studierte an der Kunstakademie in München bei Professor Charles Crodel und Professor Hermann.  In zahlreichen Ausstellungen präsentierte sie ihr Werk, sie ist international anerkannt und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Diese Arbeit in Mischtechnik erregt immer wieder die Aufmerksamkeit der Besucher. Das Blatt  mit seinen erotischen Anspielungen war 1975 in der Zeitschrift Playboy abgedruckt; später haben die Freunden des Spargelmuseums die Arbeit für Schrobenhausen angekauft.

Konservierungsmaschine

Maschine zur Konservierung
Konservierungsmaschine
Die Haltbarmachung von Lebensmitteln durch Salz, Rauch, Zucker oder einfache Trocknung ist der Menschheit seit langem bekannt. Der Beginn der modernen Hitzekonservierung wird zumeist mit den Arbeiten zweier Franzosen verbunden: Denis Papin unternahm um 1700 Experimente mit der Konservierung von Gelees und Kochfleisch in mit Kitt abgedichteten Kupfertöpfen; Nicolas Appert stellte 1809 technisch ausgereifte Methoden der Konservierung vor. Doch die theoretische Lösung war von vielen technischen Problemen begleitet, insbesondere beim Verlöten der Konservendosen und der Dauer der Hitzeeinwirkung auf unterschiedliche Lebensmittel.
1864\65 erfand der französische Chemiker und Mikrobiologe Louis Pasteur das Verfahren der Pasteurisierung. Pasteur widerlegte mit Experimenten die bis dahin verbreitete These der spontanen Entstehung von Verderbnisserregern. Das Verfahren der Pasteurisierung (die Entkeimung durch kurzzeitiges Erhitzen auf Temperaturen knapp unter 100 °C) wurde zum Patent angemeldet und fand schnell in vielen Bereichen der Lebensmittelkonservierung Anwendung. 
Erste handwerkliche Betriebe entstanden im Deutschen Bund in den 1840er Jahren. Nennenswerte Produktionsmengen wurden jedoch erst in den 1860er Jahren erreicht. Vorreiterregion war Braunschweig, das bevorzugte Produkt das damalige Luxusgut Spargel.

Paul Weber, Der Spargel-Esser

Lithografie, 1957
A. Paul Weber, Spargelesser, Illustration zu Bert Brechts Dreigroschenoper, Lithografie, 1957
Paul Weber schuf zu Berthold Brechts Dreigroschenoper eine Illustrationsmappe. Die Lithografie aus der Mappe mit dem Titel Der Spargelesser bezieht sich auf die Textpassage, in der sich Macheath "Mackie Messer" in der Todeszelle Spargel als Henkersmahlzeit wünscht. Eine durchaus politische Anspielung, da die Handlung im viktorianischen England in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt und Spargel in der Zeit als besonders dekadente und kostspielige Delikatesse galt. Spargel als Symbol für Luxus und Wohlstand.

Pflug

Pflug zur Bearbeitung des Spargelackers
Pflug zur Bearbeitung des Spargelfeldes, Anfang 20. Jh.
Mit dieser Art von Geräten, die im Freigelände am Museum gezeigt werden, hat man bis weit ins 20. Jahrhundert hinein die Spargelfelder bearbeitet.

Schreibzeug, Manufaktur Wien

Porzellan, 1815
Schreibzeug, Manufaktur Wien, Porzellan, 1815
Den besonderen Stellenwert, den Spargel über die Jahrhunderte hinweg hatte, zeigt dieses Porzellan-Schreibzeug in Form einer Deckeldose, hergestellt 1815 für den Kaiserhof in Wien. In der Dose sind zwei Behältnisse für Tinte und Streusand. Diese außergewöhnliche Arbeit ist ein Beleg dafür, dass das Spargelmotiv im 19. Jahrhundert bereits in kunsthandwerkliches Schaffen gefunden hat und kein direkter Zusammenhang mehr mit dem Spargelessen besteht. 

Sonja McBesch, Springtime

Acryl auf Hartfaser
Sonja McBesch, Springtime, Öl auf Hartfaser, 1984
Sonja Mc Besch, Malerin und Grafikerin, studierte an der Akademie der Schönen Künste München bei Prof. Kaspar. Sie war Gründungsmitglied "Junge Sezession e.V." und lebte über Jahrzehnte – bis
zu ihremTod 2008 – in Murnau.

Sie schuf hier und in ihrem Münchner Atelier ein künstlerisches Werk, in dem sie in gegenständlich-surrealer Darstellungsweise ihre Einstellung zu sie bewegenden Fragen menschlichen Verhaltens, zu Umweltthemen und anderen Themen zum Ausdruck brachte.

"Mit den Mitteln des Surrealismus sagt Sonja Besch auch viel über unsere Gesellschaft mit ihren Zwängen und Bedrohungen aus." , kommentiert GPT, »R.Härtl.

Spargelfestmahl bei Hofe

Rudolf Höfler, Ein Einblick in die königliche Welt des Spargels, 1991
Rudolf Höfler, Spargelessen bei Hofe, Diorama um 1990
Rudolf Höfle, Grafiker und Bildhauer aus Schrobenhausen, schuf dieses Diorama für das Europäische Spargelmuseum, 1990/91. Die höfische Gesellschaft trifft sich zu einem Mahl in Schloss Schleißheim mit Blick auf München. Auf der Tafel finden sich mehrer Objekte aus dem Museum - en minature -  in Gebrauch, sei es die Spargelliege aus der Manufaktur in Rouen oder die schönen silbernen Fingerzangen, Spargelheber und Spargelzangen.

Spargelfingerzange

Silberwarenfabrik Christofle, Paris, 1910
Spargelfingerzange, Silberwarenfabrik Christofle Paris, um 1910
Das einstige Luxusgemüse wurde immer populäre. Am Anfang des 20. Jahrhunderts brachte man sogar Postkarten heraus, die Spargel in Anlehnung an Stillleben des 17. Jahrhunderts zusammen mit anderen Gemüsen zeigen. Auch die Werbung nahm sich des Spargels an und in den Musterbüchern der Silberwarenfabriken in Frankreich und Deutschland werden seitenweise Spargelzangen und Spargelheber angepriesen.

Als besonders fein galten die Fingerzangen, mit denen der Spargel zum Mund geführt wurde, da die Legierung der Messer den feinen Geschmack des Spargels beeinträchtigten. Daraus entwickelte sich eine Tischsitte, die sich noch in den 1950er Jahren in einem Anstandsbuch findet:

"Spargel wird nicht geschnitten, sondern mit Hilfe der rechten Hand verzehrt, die die Spargelstange am Ende ergreift, während die linke mit der Gabel hilft, den Spargelkopf zum Munde zu führen. Das Ende, das ohnehin nicht selten holzig ist, kommt auf den Tellerrand. Wer absolut nicht mit der Hand essen will, sollte den Spargel mit der Hand knicken." 


Spargelheber, Prag

Silber, um 1910
Spargelheber, Silber, Prag um 1910
Zu einer verfeinerten Esskultur gehörte auch die Verwendung von besonderen Tafelgeschirren und Spezialgeräten, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts speziell für das Spargelessen entworfen und gefertigt wurden. 

Zum Vorlegen des Spargels bei Tisch dienten Spargelzangen oder Spargelscheren, die auf der Innenseite geriffelt waren und nur für Spargel benutzt wurden. Spargelheber wie dieser aus eine Silberwarenfabrik in Prag hatten dieselbe Funktion. 

Die Werbung nahm sich des Spargels mit Plakaten an und in den Musterbüchern der Silberwarenfabriken wurden seitenweise Spargelzangen und Spargelheber angepriesen.

Spargelheber, Wien

Silber, Schaufel vergoldet, Wien, um 1900
Spargelheber, Silber, Schaufel vergoldet, Wien um 1900
Zu einer verfeinerten Esskultur gehörte auch die Verwendung von besonderen Tafelgeschirren und Spezialgeräten, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts speziell für das Spargelessen entworfen und gefertigt wurden. 

Zu einem stilvollen Spargelessen gehören Spargelzangen und Spargelheber, mit denen der gekochte Spargel serviert wird. Die Spargelheber, die auf der Innenseite geriffelt waren, waren in der Form Torten- und Fischhebern nachgebildet, sind jedoch durch eine typisch gewellte Oberfläche zu unterscheiden.

Die Werbung nahm sich des Spargels mit Plakaten an und in den Musterbüchern der Silberwarenfabriken wurden seitenweise Spargelzangen und Spargelheber angepriesen.

Spargelliege, Manufaktur Rouen

Fayence, um 1800
Spargelliege, Manufaktur Rouen, Frankreich, um 1800
Im 18. Jahrhundert wurde eine Esskultur zelebriert, die vor allem Standesunterschiede unterstreichen sollte. Sitzordnung, Speisefolge, Präsentation der Gerichte und kultiviertes Benehmen bei Tisch wurden von der herrschenden Etikette bestimmt. 

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts kamen spezielle Geschirre zum Servieren des Spargels auf den Markt. Auch die Fayence-Manufaktur in Rouen, Frankreich, stellte Servierplatten her, die zum ersten Mal das typische Merkmal einer Spargelplatte aufweisen: eine gewölbte Liege wird mit Löchern versehen und dient als Abtropfplatte, so dass der Spargel ohne Sud aufgetragen werden konnte. Dieses Exponat zeigt das für die Manufaktur in Rouen typische Füllhornmotiv. 

Spargelzange, Carl Peter Fabergé

Silber mit Goldstreifen im Holzkästschen, um 1890
Spargelzange von Peter Carl Fabergé, Silber mit Goldauflage, um 1890
Eine besonders wertvolle Spargelzange, hergestellt vom Hofjuwelier des russischen Zaren, Peter Carl Fabergé; *1846 in St. Petersburg
4 Jahre vor seiner Geburt gründete sein Vater eine eigene Juwelierwerkstatt. Peter Carl besuchte die deutsche Schule in St. Petersburg und eine Privatschule in Dresden. Anschließend reiste er durch Europa und lernte bei dem Frankfurter Juwelier Josef Friedmann.
1870 kehrte er nach Russland zurück und übernahm die väterliche Firma. Um 1880 wurde Peter Carl Fabergé zum Hofjuwelier des Zaren, Alexander III. Nach dem ersten Weltkrieg floh Fabergé in die Schweiz und starb dort 1920.
 
Diese Spargelzange zählt zu den Glanzstücken des Museums. Sie besteht aus Silber, ist an den Innenseiten vergoldet und stammt aus dem Besitz der russischen Tänzerin Anna Pawlowa.
 
Anna Pawlowa (*1881 in St. Petersburg / + 1931 in Den Haag) gilt als eine der größten Tänzerinnen des 20. Jahrhunderts. 1905 entwarf Michael Fokine für Anna Pawlowa die berühmte Soloszene aus „Der sterbende Schwan“, mit der sie zum Vorbild einer neuen Tanzkunst wurde. 1908 begann sie eine Serie großer Auslandstourneen.

Teller, Emile Gallé

Fayence, Nancy um 1880
Spargelteller von Emile Gallé, Fayence, Nancy um 1880

Im 19. Jahrhundert wurden besonders schöne Geschirre gefertigt. Spargelliegen, Spargelplatten und -teller aus Porzellan waren besonders gefragte Produkte.

Der fraanazösische Künstler Emile Gallé schuf um 1880 eine Serie von Tellern mit Pflanzenmotiven, darunter einen mit einem einzelnen Spargelspross. 


Victor Martin, Stillleben mit Spargel

Öl / Leinwand, 2. Hälfte 19. Jh.
Victor Martin, Stillleben mit Spargel, Öl auf Leinwand, 19. Jahrhundert
Die Hoch-Zeit des Stilllebens war das 17. Jahrhundert. Besonders die niederländischen und flämischen Maler habe sich auf diesem Gebiet hervorgehoben. Als formale und inhaltliche Sonderform ist diese Bildgattung schon länger bekannt. Frühe Bezeichnungen sind zum Beispiel Früchtestück, Küchenstück, Frühstücksbild. Obwohl das Stillleben nicht als höchste Bildgattung anerkannt wurde, erfreute es sich dennoch wegen seiner großen Illustrationskraft großer Beliebtheit. Auch noch im 19. Jahrhundert hatten sich fast alle Künstler das eine oder andere Mal damit beschäftigt. Victor Martin hat hier ein sehr schönes Stillleben arrangiert, zusammen mit anderen Gemüsen und Obstsorten. In einer chinesischen Obstschale sind Erdbeeren, daneben Kohl, Sellerie und Tomaten. 

Wandgemälde mit Spargel

Fresko aus Pompeji, um 10 v. Chr.
Fresko mit Abbildung von grünem Spargel mit Fisch und Meeresfrüchten, Pompeji, 10 n. Chr.
Die wohl älteste Spargelabbildung stammt aus dem ersten vorchristlichen Jahrhundert: ein Wandgemälde aus Pompeji, heute im Nationalmuseum von Neapel. Das Stillleben zeigt Fische, Meeresfrüchte und ein an einen Mauervorsprung gelehntes Spargelbündel. Es gibt Aufschluss über einen weiteren Aspekt der Ernährungsgewohnheiten der Römer, die Spargel offensichtlich auch als Beilage zu Fischgerichten schätzten. Ein schriftliches überliefertes Rezept aus dem vierten Jahrhundert nach Christus empfiehlt Eierkuchen mit Spargel. 

Plinius der Ältere (23-79 n. Chr), einer der  bekanntesten naturwissenschaftlichen Autoren der Römer, betont in seiner Naturalis historia, dass der beste Boden zur Kultivierung von Spargel das Land um Ravenna sei. Die gleiche Abhandlung gilt auch als früheste Quelle, in der Spargel in Deutschland erwähnt wird; demnach soll das Gemüse "im oberen Deutschland" hin und wieder auf Bergen und felderweise wachsen.

Öffnungszeiten

  • Mai und Juni
    täglich von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr
  • Juli bis April
    Mittwoch, Samstag und Sonntag von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Eintrittspreise

  • Erwachsene
    2,00 Euro
  • Schüler, Studenten, Schwerbehinderte, Arbeitssuchende*
    1,50 Euro
  • Gruppen (ab 10 Personen) inkl. Führung
    1,50 Euro

    * Ermäßigungen gelten nur gegen Vorlage eines entsprechenden Dokumentes