Blitzlicht der Woche


Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
Lieber Herr Petry,

dass Sie seit jeher ein glühender Verfechter eines Abrisses des Rathauses sind, wissen Ihre Leser und ich ja schon lange. Ich habe mich auch damit abgefunden, dass ich nicht jeden von der Sinnhaftigkeit der derzeit laufenden Sanierungsmaßnahme überzeugen kann. Den Artikel will ich aber dennoch nicht unkommentiert so stehen lassen, sondern die darin dargestellte These, ein Abriss sei trotz der Denkmalschutzauflagen möglich, möchte ich gerne näher beleuchten.

Einleitend möchte ich Danke sagen für die Recherche und zutreffende Darstellung im Artikel, wonach sich die Verleihung des Prädikats „Baudenkmal“ unbeeinflusst durch Stadtverwaltung oder Stadtpolitik zufällig so ergeben hat, dass sie quasi zeitgleich mit der Entscheidung des Stadtrats für die Generalsanierung ergangen ist. Damit komme ich aber unmittelbar zu den Zeilen im Artikel, die ich gerne kommentieren möchte. Ich zitiere: „Auch ein Denkmal kann man abreißen. Dazu bedarf es nur eines eindeutigen Stadtratsbeschlusses und einer exzellenten Begründung – und der Zustimmung durch die Untere Denkmalschutzbehörde des Landratsamts.“

Die Aussage enthält zwei unbestimmte Begriffe: Was ist ein „eindeutiger Stadtratsbeschluss“ und wie müsste eine „exzellente Begründung“ lauten, damit die untere Denkmalschutzbehörde sein OK zum Abriss des Rathauses geben könnte? Unterstellen wir mal den eindeutigsten Beschluss, den man sich vorstellen kann, also ohne jede Gegenstimme. Ich habe dazu mit der unteren Denkmalschutzbehörde telefoniert, wie denn eine „exzellente Begründung“ aufgebaut sein müsste, damit die Zustimmung zum Abriss erteilt werden könnte.

Die sinngemäße Aussage war, dass es immer einer Einzelfallbetrachtung bedarf. Im Grunde muss ein Abriss alternativlos sein. Das heißt, die Bausubstanz müsste derart marode sein, dass ihr die Denkmal-Eigenschaft, für die sie steht, aberkannt werden müsste. Das sei aber im konkreten Fall des Schrobenhausener Rathauses nie und nimmer der Fall. In der Kurzformel: Die „exzellente Begründung“ gibt es nicht und damit auch keine Einwilligung zum Abriss. Unterstellt also, der Stadtrat würde sich dennoch einstimmig für den Abriss aussprechen, dürfte der Bürgermeister diesen Beschluss nicht vollziehen, weil er damit gegen geltendes Recht verstoßen würde.

Im Übrigen ist es nicht so, dass sich die Baumaßnahme damit unbedingt verteuert. So ist es zum Beispiel dem Denkmalschutz zu verdanken, dass auf die Errichtung des ursprünglich konzipierten Treppenturms als zweiten Fluchtweg verzichtet werden konnte.

Abschließend noch zwei interessante Benchmarks: Waldsassen (6.700 Einwohner) hat sein ebenfalls denkmalgeschütztes Rathaus für 7,0 Mio. € saniert und die Stadt Abensberg kalkuliert derzeit mit Teil-Abriss und Teil-Sanierung mit Gesamtkosten in Höhe von 8,5 Mio. €. Die von uns kalkulierten 7,8 Mio. € sind also absolut im Rahmen. Ich behaupte sogar, dass uns ein Neubau mit gleicher Funktionalität nicht günstiger gekommen wäre.

Und damit sollte es auch mal gut sein. Die Sanierung läuft und das ebenfalls schon viele Jahre diskutierte Thema ist bald aufgeräumt.

Dr. Karlheinz Stephan
Erster Bürgermeister