Stadtnachricht

Backstage China- China zwischen Tradition und Moderne


Im Alter von 8 Jahren bekam Pe-Lin Neven Du Mont ihre erste Kamera, seitdem begleitet sie die Fotografie und dient ihr als künstlerisches Ausdrucksmittel. Als Vorbilder nennt sie die  Reportage-, Kriegs- und Dokumentarfotografie sowie die Fotografen und Fotoreporter Henri Cartier-Bresson, Robert Capa oder Sebastião Salgado u.a.
Pe-Lin Neven Du Monts Bilder entstanden auf ausgedehnten Reisen durch China und die Mongolei. Sie versucht Alltagsgeschichten zu erzählen und für uns unbekannte Lebenswirklichkeiten aus ihrer Perspektive festzuhalten. Sie richtet ihren Blick auf unvermutete Unterschiede und ungeahnte Gemeinsamkeiten, also Erfahrungen, die uns mit anderen verbinden oder trennen. 
Das Thema "Anders-Sein" kennt sie selbst aus ihre Kindheit. Als Kind taiwanesisch-mongolischer Eltern, die in den 1970er Jahren zum studieren nach Deutschland kamen, ist sie hier geboren und zur Schule gegangen, am Humanistischen Gymnasium in Heidelberg macht sei ihr Abitur und studierte dann in Köln. Der Umgang mit soziokulturellen Unterschieden zwischen ihren chinesischen Wurzeln und dem Alltag in Deutschland hat schon früh ihren Blick geschärft für das "Anders-Sein". 

Zur Ausstellung:

Die Bilderserie Jingdezhen entstand in der gleichnamigen Porzellanstadt in der Volksrepublik China. Die Stadt liegt am Fluss Chang und hieß ursprünglich Changnanzhen; um 900 n. Chr. wurde sie von dem damals regierenden Kaiser Jingde umbenannt in Jingdezhen. Hier deckten die Kaiser ihren Bedarf für den Hof. Große Kaolinvorkommen, dem Rohstoff für Porzellan, in der Nähe und der Fluss als Transportweg ließen die Stadt genau an dieser Stelle entstehen. Für den Kaiser sollte das Porzellan ganz bestimmte Ansprüche erfüllen: "Blau wie der Himmel, Weiß wie Jade, glänzend wie ein Spiegel und dünn wie Papier." Jingdezhen ist daher bekannt für sein hochwertiges Porzellan in Weiß und Blau. Als Kunden findet man heute neben Disney auch die Queen oder Familie Bush. 

Die Künstlerin versucht in ihren Bildern die Stimmung in der Stadt einzufangen, gleichsam die emsige Betriebsamkeit und die fröhliche Lebendigkeit zu dokumentieren. Die Fotos entstanden an zwei Orten in der Stadt:  Teil 1 entstand im März 2017 in einer Fabrik, die 1956 gegründet und später privatisiert wurde. Auf etwa 100.000 Quadratmetern finden sich unzählige kleine Gassen, Hinterhofwerkstätten sowie öffentliche und private Brennöfen. Eine unglaubliche Dichte an Porzellanhandwerkern, wie Formenmacher, Bildhauer, Formengießer, Porzellanmaler, Vergolder u.ä.,  bestimmt das Bild. Teil 2 entstand in einer in den 1980er Jahren stillgelegten Flaschenfabrik für Edelbrände. Die Halle atmet eine "Poesie des Verfalls"  schreibt die Künstlerin und es gelingt ihr auch, diese Stimmung einzufangen. 

Im Ausstellungsteil "Stadt-Land-Fluß"  findet der Besucher Bilder aus der Mongolei, die auf verschiedenen Reisen entstanden. Die Innere Mongolei, eine zur Volksrepublik China gehörende autonome Region, ist geprägt von einem Leben in urbanisierten Zentren. Die im Süden anschließende Äußere Mongolei ist eine unabhängige Republik, hier dominiert eine nomadisch geprägte Gesellschaft, in der die Menschen in und mit der Natur leben. Das zentrale Thema, das die Künstlerin immer wieder aufgreift und festhält, ist der Kontrast zwischen von Mensch gestaltetem Lebensraum und Natur-Landschaften. Alle Bilder sind in analoger Technik entstanden, einer Technik, die sehr viel Konzentration und Vorarbeit erfordert.
^
Redakteur / Urheber

.